Der Brand von Notre Dame – Katastrophentourismus am Tag danach

Diese Woche war ich in Paris. Ohne Kamera. Einfach so zum Tochter besuchen und ein wenig Urlaub machen. Hätte fast geklappt. Doch dann kam ein epochales Ereignis dazwischen, der Brand der Kathedrale von Notre Dame de Paris.

Sonntag am Tag davor – da war Notre Dame noch ein normales Touristenmotiv

An bewusstem Montagabend waren Marlene und ich in der Stadt unterwegs, nicht weit weg vom Ort der Katastrophe, deren Ausmaß uns allerdings erst im Laufe des Abends klar wurde. Wir haben uns ganz bewusst gegen Katastrophentourismus entschieden und die Unglücksstelle gemieden.

Am nächsten Tag allerdings hat es mich dann doch dort hingezogen. Ich war neugierig, gebe ich ganz offen zu. Nicht unbedingt auf die Kirche, davon gab es innerhalb von Minuten tausend Bilder im Netz. Ich war neugierig auf die Menschen, auf die Stimmung, auf Paris und wie es sich an einem solchen Tag anfühlt.

24 Stunden später sah es dann so aus

Ich habe ganz unterschiedliche Menschen getroffen. Es war interessant zu beobachten, dass die Pariser und die Touristen irgendwie vereint waren. Es war oft sehr still. Viele Straßen rundrum waren für den Autoverkehr gesperrt. Das kommt einem in dieser Stadt seltsam vor. Allerdings gab es auch Straßen, die quollen förmlich über vor Menschen. Und überall Kameras! Ich kenne keinen Ort der Welt, wo so viele Kameras vereint sind, von der Photokina mal abgesehen. Jedes Modell, das ich schon immer mal sehen wollte, kam irgendwann vorbei.

Von der Brücke aus wurden wahrscheinlich die meisten Fotos gemacht

Da ich keine Kamera hatte und dann doch nicht anders konnte, hab ich mein Fotohandy auf seine Tauglichkeit überprüfen können. Ich besitze es erst seit ein paar Monaten und kam mir damit komischerweise zu Beginn viel „paparazziger“ vor als mit Kamera. Was plötzlich fehlt, ist die Schutzmaske, hinter der man sich als Fotograf eigentlich immer versteckt. Das eigene Gesicht ist jetzt für jeden, auf den man zielt sichtbar. Das hat sich erst seltsam angefühlt, mit der Zeit aber bewirkt, dass ich viel genauer beobachtet habe, als ich es mit der Kamera getan hätte. Die Technik war komplett außen vor. (Predige ich übrigens meinen Studenten immer, dass sie erst mit den Augen schauen sollen.) Das war eine interessante Übung und beweist mal wieder, dass nicht die Kamera die Bilder macht.

Folgt mir auf meinem Rundgang um und durch den Ort des Geschehens. Notre Dame am Tag danach:  (Für größere Ansicht einmal in die Galerie klicken)

 

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